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  1030 Getriebe zerlegen / überholen

Das Überholen des 1030 Getriebes läuft im Wesentlichen recht reibungslos, jedoch gibt es den ein oder anderen Fallstrick den ich hier mal erwähnen möchte.

Mir sind zwei Getriebetypen der 1030‘er Superior Reihe bekannt. Zum einen das vermutlich alte Getriebe mit dem kleineren 3205’er Schrägkugellager auf der Schneckenwelle und das neu mit dem größeren 3206’er Schrägkugellager. Indizien für den alten und wohl eher seltenen Getriebetyp sind die beiden angeschraubten Bremshebellager. Beim neueren Typ besitzen diese einen gesenkgeschmiedeten Anschraubkörper während die alten noch einen Vierkantstahl als Körper haben. Auch die Zapfwelle besitzt einen anderen Aufbau und die Öleinfüllöffnung ist kleiner als die vom neueren Getriebe.

Aber auch der neue Getriebetyp teilt sich nochmals in die Variante mit gestecktem (neuer) und festem (älter) Gelengwellenflansch. Bevor man die benötigten Ersatzteile bestellt sollte man sicher sein welchen Getriebe man besitzt oder wenn man Zeit hat zuerst zerlegen und dann bestellen.

Welche Teile benötigt werden findet man übrigens >>> hier <<<



1ter Fallstrick

Das Getriebegehäuse wird ringsum mit M8’er und zwei M10’er Schrauben mit Muttern zusammengehalten. Gerne vergessen wird jedoch die auf der linken Getriebehälfte, oberhalb des vorderen Schneckenwellenlagers sitzende M6’er Schraube, die in eine Gewindebohrung der rechten Getriebegehäusehälfte greift.

2ter Fallstrick

Um das Kugellager 6204N (mit Nut) vom Schaltblock (Auf Schaltwelle) abzuziehen muss auch das davorsitzende Zahnrad abgezogen werden. Man kommt eventuell auf den Gedanken dass man beides auf einmal Abziehen könnte, also quasi den Abzieher am Kugellager ansetzt und Lager + Zahnrad auf einmal packt. Aber das Zahnrad besitzt eine Passfeder an der der Innenring vom Lager nach wenigen Bewegung zum Stehen kommt. Gibt man dann noch mehr Kraft drauf beginnt sich der Innenring in die Passfeder einzugraben… nicht schön.

3ter Fallstrick

Die Mutter welche das Schräglager auf der Schneckenwelle hält. Beim neuen Getriebetyp ist dies eine Mutter mit Schlüsselweite 41 mm, diese und natürlich die Welle besitzen ein Linksgewinde. Hier empfiehlt es sich unbedingt ein Schlagschrauber zu verwenden und die Mutter am besten noch im Eingebauten Zustand bei abgenommenen Zapfwellengehäuse zu lösen.

Richtig verwirrend wird es wenn man zur Abwechslung mal einen Getriebetyp zerlegen darf. Hier hat die Mutter die Schlüsselweite 36 mm und besitzt zur Abwechslung ein Rechtsgewinde!

4ter Fallstrick


Wie um alles in der Welt bekomme ich das Lager 6208 zwischen dem festem (nicht gestecktem) Gelenkwellenflansch und dem Zahnradpaar (orig. Ritzel) am neuen Getriebetyp (ältere Ausführung) demontiert? Auf den ersten Blick nicht ganz ersichtlich ist der Gelenkwellenflansch auf das Ritzen aufgepresst. Dies muss zunächst auf einer Presse ausgepresst werden, mit einem Abzieher kommt man an der Stelle nicht mehr weiter. Das Bild zeigt einen möglichen Aufbau. Als Auspressdorn nutze ich eine 10 mm ½“-Langnuss, diese passt perfekt.


Noch ein Hinweis:

Bitte auch unbedingt die Lagersitze des Schrägkugellagers im Bereich des inneren Sicherungsrings auf Anrisse untersuchen. Die Schneckenwelle erfährt im Betrieb eine hohe Axialkraft welche über die beiden Sicherungsringe abgefangen werden muss. Insbesondere die zur Getriebeinnenseite liegende Ringnut reißt aufgrund der schwachen Wandstärke gerne aus. Ist ein Anriss zu erkennen dann empfiehlt es sich unbedingt diesen zu löten bevor es zu einem größeren Schaden kommt – >>> siehe hier <<<. Hierzu eignet sich sehr gut „Neusilber“ mit einem Schmelzpunkt von ca. 900 °C.

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[letzte Aktualisierung 24.04.2019]