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  Zündzeitpunkt einstellen


Alle Gutbrod Benziner der Superior-Reihe besitzen eine Magnet-Unterbrecherzündung (Schwungmagnetzündung) von Bosch. Um diese einzustellen benötigt man neben etwas Standardwerkzeug ebenfalls eine Messuhr mit Stativ und eine Prüflampe mit entsprechender Stromquelle. Alternativ zur Prüflampe geht auch ein Multimeter oder Durchgangsprüfer. Ich hatte mir für diesen Zweck eine helle LED in ein Batteriefach (2x Mignon - AA) eingebaut, zwei Messleitungen mit Krokoklemmen dran und fertig war meine Prüflampe. Einen Tiefenmessschieber oder gar eine Schieblehre anstelle einer Messuhr zu nehmen ist zwar prinzipiell denkbar, endet aber in einer Fummelei, die keiner wirklich haben möchte.

Für alle die mehr über die Zündanlage wissen möchten oder trotz korrekter Einstellung dennoch Probleme haben sollten mal hier vorbeischauen.

Hat man die Zündung bereits schon einmal eingestellt und braucht nur nochmal eine kurze Auffrischung, so wird diese Auflistung ausreichen um die einzelnen Schritte wieder ins Gedächtnis zu rufen.


Ansonsten hier alles ausführlich:

Als vorbereitende Arbeit muss der Zylinderkopf runter, denn ein Messuhrenhalter für das Zündkerzenloch funktioniert leider nicht, da der Kolben nicht direkt darunter liegt. Dann muss auch noch das Lüfterrad demontiert werden, um letztlich die Zündanlage zugänglich zu machen und schon kann es los gehen...



Als erstes wird die Messuhr angebracht. Mit Deren Hilfe ermittelt man den oberen Totpunkt (OT) des Kolbens und "nullt" dort die Messuhr mit ca. 8-10 mm Vorspannung. Da die Zündanlage bei jeder Kurbelwellenumdrehung einen Zündfunken generiert, muss sich der Motor nicht zwingend im Arbeitstakt befinden.

In OT-Stellung des Motors ist der Unterbrecherkontakt voll geöffnet. Zwischen den Kontaktflächen sollte sich ein Spaltmaß von 0,4mm zeigen. Zum Einstellen löst man die Halteschraube vom Unterbrecher. An der Grundplatte und dem Unterbrecher befindet sich eine Kerbe. Setzt man einen passenden Schlitzschraubendreher richtig an, so lässt sich der Kontakt durch Hebeln leicht einstellen, selbst wenn die Schraube noch leicht angezogen ist. Die Einstellung ist perfekt wenn nach dem Anziehen der Halteschraube die Fühlerlehre sich leicht saugend zwischen den Kontakten verschieben lässt, ohne den Kontakt dabei zu spreizten.

Im nächsten Schritt löst man die drei Schrauben der Grundplatte so weit, dass diese sich gerade so drehen lässt. Im weiteren Verlauf der Einstellarbeiten wird man bemerken, dass sich beim Anziehen der Schrauben der Zündzeitpunkt wieder leicht verschiebt. Je mehr man die Schrauben zum einstellen löst, desto größer wird dieser Effekt. Man wird sich hier iterativ mit entsprechender Vorhaltung an die perfekte Position herantasten.    

 

Als nächstes wird die Prüflampe angeschlossen. Dafür muss die Verbindung vom Unterbrecher zum Kondensator getrennt werden. Original ist die Kondensatorleitung zusammen mit der Ausschaltleitung an der Kontaktseite des Unterbrechers angeschraubt. Hier kann die Schraube entfernt und die beiden Kabel weggehangen werden. Bei neuren Unterbrecherkontakten sind die Kabel vernietend und man muss das Kabel am Kondensator ablöten. Jetzt kann die eine Messleitung der Prüflampe an den Kontakt vom Unterbrecher und die andere Seite irgendwo an Masse geklemmt werden.   

Im nächsten Schritt dreht man den Motor entgegen seiner Laufrichtung  (von vorne gesehen entgegen den Uhrzeigersinn) bis man etwas vor dem Sollwert der Zündeinstellung liegt, ca. 4 - 5 mm vor OT sollten ausreichen wenn die Zündung nicht völlig in Richtung früh verstellt war.
Die Werte sind:

Der Zündfunke wird in dem Moment erzeugt, wenn sich der Unterbrecherkontakt öffnet. Da sich der Motor bei 4 - 5 mm vor OT noch vor dem Zündzeitpunkt befindet, sollte die Lampe hier leuchten (Kontakt geschlossen). Ist dies aufgrund einer extrem verstellten Zündung nicht der Fall muss man den Motor noch etwas weiter in Richtung "vor OT" (links) drehen bis die Lampe aufleuchtet.
Jetzt beginnt man den Motor langsam in Richtung OT zu drehen, bis die Lampe gerade ausgeht. Auf der Messuhr kann man jetzt den aktuell eingestellten Zündzeitpunktwert ablesen.

Passt der Istwert nicht zum Sollwert, so verdreht man den Motor zunächst auf den mittleren Sollwert (hier gezeigt ein 1040, auf 3,1 mm vor OT). Danach dreht man die Grundplatte so, dass die Prüflampe gerade an bzw. aus geht und wiederholt den vorhergehenden Schritt zum Überprüfen des Ist-Wertes. Das Ganze wiederholt man so lange, bis die Prüflampe möglichst mittig vom Sollwertbereich am Ausgehen ist. Dabei prüft man immer in Richtung der Laufrichtung. Im links gezeigten Bild ist die Prüflampe gerade am ausgehen bei ca. 3,1 mm vor OT, also ein perfekter Wert für den 1040.
Wie weiter oben bereits erwähnt ist leider so, dass sich die Zündung beim festziehen der drei Grundplattenbefestigungsschrauben, durch das Setzen der Grundplatte immer wieder leicht verstellt. Hier muss man den "Verstellwert" durch das Anzieh-/Setzverhalten ermitteln und entsprechend vorgehalten werden.
Spätestens bei diesem Einstellungsschritt möchte man nicht mit einem Tiefenmessschieber oder gar einer Schieblehre rumhantieren, da ist eine Messuhr deutlich komfortabler und auch genauer.



Sollte es trotz korrekter Einstellung immer noch Probleme mit der Zündung geben, dann mal hier reinschauen

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[letzte Aktualisierung 31.12.2020]